Smart Mobility

Sind Fahrsteige unser Weg aus dem Autozeitalter?

Wir alle kennen sie vom Flughafen: die horizontalen Rolltreppen, auch Fahrsteige genannt. Jetzt geraten Fahrsteige zunehmend in der Stadtplanung in den Fokus, wo sie die Erreichbarkeit stark frequentierter Gebiete verbessern könnten. URBAN HUB stellt einige Konzepte vor, wie Fahrsteige in den städtischen Nahverkehr eingebunden und zu einer umweltfreundlichen Alternative zu Auto, Bus und U-Bahn werden könnten.
Smart Mobility
Unterwegs zu besseren Lösungen - Die Menschen sind verstopfte Städte leid und entwickeln neue smarte Mobilitätslösungen in Form von innovativen Technologien und intuitiven Apps, die öffentlichen Nahverkehr, bessere Infrastrukturen und Car-Sharing-Projekte kombinieren.
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Erstellt am 09.03.2020

Was sind Fahrsteige?

Fahrsteige sind schon seit Jahrzehnten in Flughäfen zu finden. Und Flughäfen entwickeln sich immer mehr zu Städten im Kleinformat. Die Fahrsteige sorgen dafür, dass man schnell zu seinem Gate und durch die weitläufigen Gebäude kommt. Sie sind ein grundlegender Bestandteil der Flughafenplanung.

Vor langer Zeit schon regte der Fahrsteig Fantasie und Erfindungsgeist an. Der Domain Express in Sydney gilt als längster „Travelator“ der Welt (eine Wortschöpfung aus engl. travel und elevator). Er wurde in den sechziger Jahren eröffnet, ist 207 Meter lang und befindet sich unter dem Geschäftsviertel. Der Domain Express steht exemplarisch für die Einführung futuristischer Technologien auch in anderen Städten. Schon 1924 plante Atlanta ein „Nahverkehrssystem aus beweglichen Plattformen im Untergrund“, das jedoch nie umgesetzt wurde.

Erst seit einiger Zeit erobert sich der Fahrsteig nun wieder neues Terrain. Nahverkehrsexperten untersuchen, welche Vorteile der Bau solcher Fahrsteige in den Städten haben könnte. Die Vorteile sind: weniger Fußgänger auf den Bürgersteigen, leichteres Fortkommen für Behinderte, ein „Zubringer“ für andere Verkehrsmittel und eine neue Möglichkeit für ein umweltfreundliches Nahverkehrssystem.

Fahrsteige als Nahverkehrssystem

Die Städte wachsen rasant, und der Nahverkehr wird zu einer immer größeren Herausforderung. Alle sind sich darüber einig, dass der städtische Nahverkehr mehr Auswahl und Vielfalt braucht. Wissenschaftler der Schweizer École Polytechnique Fédérale in Lausanne haben die Umsetzbarkeit überirdischer Fahrsteignetze untersucht.

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass mit dem technischen Stand von heute 7500 Fußgänger pro Stunde befördert werden könnten. Die Passagiere würden dabei mit 6–10 km/h und damit schneller als zu den üblichen Stoßzeiten vorwärtskommen. Fahrsteige (in beide Richtungen) würden genauso viel Platz wie ein Fahrstreifen einnehmen. Zugleich könnten die herkömmlichen Bürgersteige und Fahrradspuren beibehalten werden und so die Abhängigkeit vom Auto sinken.

ACCEL prototype

Mit dem Fahrsteig in die Innenstadt

Die Fahrsteigtechnik entwickelt sich ständig weiter und ermöglicht neue Geschwindigkeiten, Einsatzmöglichkeiten und Sicherheitsstandards. Trotzdem bleiben Kosten, Errichtung und die Anpassung an das Außenklima problematisch. Manche Verkehrsplaner denken bereits darüber nach, den Bürgersteig nach oben oder unten zu verlegen. Manche wollen die überlasteten Bürgersteige auch in ungenutzte Tunnel umleiten.

Ein Architekturbüro schlug sogar vor, die Londoner Ringbahn durch einen dreispurigen Fahrsteig zu ersetzen. Dabei sollte jede Spur eine andere Geschwindigkeit zwischen 5 und 25 km/h haben. Ähnliche Pläne tauchen seit Jahrzehnten immer wieder auf. Es erscheint also nicht sonderlich wahrscheinlich, dass London die Idee tatsächlich umsetzt.

Santander Moving Walkway

Auf dem Fahrsteig durch das spanische Santander.

Hop on, hop off

Im spanischen Santander sind Fahrsteige im öffentlichen Raum bereits Realität. Dort sollen sie kein anderes Verkehrsmittel ersetzen, sondern den Zugang zur Seilbahn erleichtern.

Ein weiteres Beispiel findet sich im spanischen Vitoria und erinnert an ein Kunstwerk. Sieben Fahrsteige von thyssenkrupp Elevator wurden miteinander verbunden, um Senioren und Touristen den Weg über die steilen Straßen in die historische Oberstadt zu erleichtern.

Hightech-Systeme wie ACCEL erleichtern auch den Zugang zu U-Bahn-Stationen in den Vorstädten. Dort werden sie als Zubringer zu den Nahverkehrsknoten eingesetzt oder dienen zur Überwindung der sogenannten „letzten Meile“, die vom ÖPNV meist nicht bedient wird. Da ACCEL ununterbrochen unterwegs ist, gehören Wartezeiten der Vergangenheit an, und die Wegzeit verkürzt sich um 70 %.

Vitoria Moving Walkway

Auf sieben Fahrsteigen hinauf in die Altstadt von Vitoria.

Innovationen für fußgängerfreundliche Städte

Natürlich ist es wichtig, in den ÖPNV und andere umweltfreundliche Verkehrsträger wie Carsharing und Bedarfsbusse zu investieren. Trotzdem sollte man auch über Lösungen nachdenken, die den Fußgängerverkehr verbessern. Und was könnte umweltfreundlicher sein als ein beweglicher Bürgersteig?

Fahrsteige im großen Maßstab in den Städten zu etablieren, käme einem echten Paradigmenwechsel gleich, sollte aber dennoch weiter in Erwägung gezogen werden. Denn nichts wäre besser, als wenn sich die Menschen ohne Wartezeiten ungebremst durch die Stadt bewegen könnten. Und wenn mehr Menschen zu Fuß unterwegs sind, steigt die Aufenthaltsqualität in den Innenstädten und rückt der öffentliche Raum in den Fokus.

 
ACCEL

So ergänzen innovative Lösungen den städtischen Nahverkehr.